Fußballprofis sind im Notfall meist bestens abgesichert. Wer aber hilft, wenn Amateure von Verletzungen betroffen sind oder Unterstützung brauchen bei Rechtsfragen und diversen anderen Problemen? Ex-Löwe Michael Kokocinski, erfahren im Fußball-Business, hat dafür nun care4sports gegründet.

Den Fußballer Michael Kokocinski wird es nicht mehr geben. „Aus, vorbei“, sagt er nüchtern. Sollte er dabei wehmütig sein, er lässt es einen nicht spüren. Kokocinski ist 33, vielleicht hätte er noch ein paar gute Jahre auf dem Platz vor sich gehabt, ein Kieferbruch im Landesligaspiel mit Türkgücü Ataspor gegen Landshut Ende November letzten Jahres aber hat ihm die Entscheidung quasi abgenommen. Titanplatten waren ihm eingesetzt worden, „hätte ich weiter Fußball spielen wollen, wäre eine komplizierte, nicht ganz ungefährliche OP nötig gewesen“. Kokocinski ist dreifacher Vater, trägt Verantwortung für die Familie. Die nimmt er, die nahm er immer ernst.


Zuletzt streifte sich Kokocinski das Trikot vom SV Türkgücü-Ataspor München über. F: Weih

Ihr zuliebe hat er mit 25 die Träume von der Profikarriere beendet, bei den Offenbacher Kickers erkannte er, dass „für ganz oben die Qualität nicht gereicht“ hätte. Neben dem Fußball hat er sich ein zweites Standbein aufgebaut, sich selbstständig gemacht als Automaten-Aufsteller. Der Fußball aber ließ und lässt ihn nicht los, im Amateurbereich, zuletzt bei Türkgücü Ataspor, hat er weiter gekickt und sich viele Gedanken gemacht über eine Branche, die so viel an Hoffnungen schürt, oft aber zur Falle werden kann für junge Menschen, deren Träume sich nicht erfüllen lassen. So ist die Idee entstanden, care4sports zu gründen, eine Agentur, die Sportlern, egal, ob Profis oder Amateuren, zur Seite steht, in Versicherungsfragen, bei Verletzungen, für die Reha oder andere Leistungen wie günstiges Leasing von Autos, bei der Telekommunikation, „einfach eine allumfassende Betreuung“. So bietet er Jugend- und Herrenteams auch unverbindlich Vorträge an zu Unfallversicherungen.

Wie wichtig eine gute Absicherung ist, hat er selbst gerade erfahren müssen. „Profis sind ja bei Verletzungen optimal versorgt, was aber, wenn das einem Amateur passiert?“ Zwei Monate hätte Kokocinski nach dem Kieferbruch nicht mehr arbeiten können, „unzählige Sportler sind für diesen Fall unzureichend versorgt. Nicht-Profis gehen ja meist einem normalen Beruf nach und stehen im Verletzungsfall dann vor existenziellen Problemen.“ Mit care4sports will sich Kokocinski darum kümmern, auch Amateuren eine effektive Unfallversicherung zu geben, ihnen für die Reha schnellstmöglich Termine bei den besten Physiotherapeuten zu verschaffen, ihnen auf dem Weg zurück zur Seite zu stehen, mit Rat, Tat und den Erfahrungen, die er selbst in seiner Zeit als Fußball-Profi und -Amateur gesammelt hat.

„Der Fußball hat mich als Mensch geprägt“

Michael Kokocinski ist im Herzen ein Löwe. Als Kind und Jugendlicher ist er gependelt zwischen Rosenheim und München, wurde beim TSV 1860 zum Jugend-Nationalspieler, stand als herausragendes Talent vor dem Sprung in die Profi-Mannschaft. Vielleicht war er ein bisschen zu ungeduldig, vielleicht hat er sich zu sehr auf seinen Berater verlassen. Jedenfalls wechselte er mit 21 an die Säbener Straße, spielte unter Hermann Gerland zwei Jahre für die Bayern-Amateure. „Eine geile Zeit“, schwärmt er, zwei Freundschaftsspiele durfte er mit den Profis bestreiten, mit Franck Ribery, mit Philipp Lahm, mit Mark van Bommel gegen Real Mallorca und den FC Zürich. „Absolute Highlights.“


Im Herzen ist Michael Kokocinski immer noch ein Löwe. F: Leifer

Was aber wäre möglich gewesen, wäre er bei Sechzig geblieben? Über die Offenbacher Kickers und Wacker Burghausen kehrte er mit 25 zu 1860 Rosenheim zurück, seinem Heimatverein, als Kapitän führte er das Team zum sensationellen Sieg im bayerischen Toto-Pokal gegen Burghausen. Als aber die Löwen riefen, sah er eine neue Chance, seinem Herzensverein helfen zu können, auf und neben dem Platz, er sprang als Trainer bei der U21 ein, als Daniel Bierofka die Profis retten musste. Ein dauerhaftes Engagement mit Perspektive aber ergab sich dann doch nicht und Kokocinski folgte dem Lockruf von Türkgücü, als Führungsspieler sollte er die Mannschaft zurück in die höchsten Amateurligen führen.

Eine Karriere, die viel versprochen, am Ende aber wenig gehalten hat? „Natürlich gab es verpasste Chancen, aber muss ich enttäuscht sein? Der Fußball hat mich als Mensch geprägt, ich habe so viel kennengelernt, so viele Kontakte knüpfen können.“ Und schließlich, sagt er, sei man „halt selbst verantwortlich für das, was man erreicht oder nicht erreicht. Mir war im Endeffekt die Familie wichtiger.“

„Eigengewächsen Perspektive zu geben“

Trainer zu werden hätte ihn gereizt, „aber ich muss meine Familie ernähren“, vielleicht wäre er ein recht passabler sportlicher Leiter, ein guter Berater, die Branche aber ist ein Haifischbecken. Würde er da Erfolg haben können, mit seinen Vorstellungen, seinen Werten? „Ein Berater“, sagt er, „sollte mit dem Spieler und den Vereinen kooperieren, sie nicht gegeneinander ausspielen.“ Er sieht die wichtigste Aufgabe nicht darin, den Klienten von einem Verein zum anderen zu transferieren, ständig dem höchsten Gehalt nachzujagen, sondern Identifikation aufzubauen, Sympathie, längerfristig zu denken: „Der Weg sollte wieder dahin gehen, Eigengewächsen Perspektive zu geben, sie nicht zu verhökern, sondern zu binden.“ All das, was er zuletzt auch bei seinen Sechzigern vermissen musste.

Mit seiner Agentur will er nun Talenten zur Seite stehen, die es eben nicht ganz geschafft haben, er will ihnen nicht nur Sicherheit geben, ärztliche Versorgung, Reha-Maßnahmen, Rechtsschutz, Unterstützung, Beratung, er will ihnen Alternativen aufzeigen, helfen, ein zweites Standbein zu schaffen: „Oft gibt es ja auch bei Sponsoren interessante Jobs für junge Leistungssportler.“ Dafür hat Kokocinski ein enges Netzwerk geknüpft, auch mit ehemaligen Mitspielern, Christoph Herberth vom TuS Geretsried zum Beispiel, Wiggerl Räuber von 1860 Rosenheim. Es gibt so viele interessante Kontakte, die man nutzen kann, etwa zum Therapie- und Trainingszentrum Friedl in Edling, das seit vielen Jahren neben Amateuren auch Weltklasse-Athleten betreut.

Michael Kokocinski spürt, dass er all die Erfahrungen einsetzen, die vielen Kontakte nutzen sollte, die er seiner Zeit als Fußballer zu verdanken hat. „Ich bin kein Einzelkämpfer, ich suche immer den menschlichen Kontakt. Und wenn ich damit anderen helfen kann, dann bin ich zufrieden.“ Auch, weil er den Fußball braucht, wenn nicht mehr auf, dann halt neben dem Platz.

Dieser Artikel erschien auf der Amateursport-Seite. Sie erscheint jeden Mittwoch im Münchner Merkur. Autoren sind Reinhard Hübner (komsport@t-online.de) und Christoph Seidl (christoph.seidl@merkur.de).

Kategorien: Allgemein

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